Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. ... Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlicht werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen

Jesaja 40: 1, 4, 5.

Die erbarmende Berührung der Liebe fühlen

Die Welt sucht auf einer materiellen Grundlage und durch einen vermenschlichten Begriff von Gott Trost; aber das irrige Denken, das die Übelstände der Sinne für wirklich hält, oft sogar glaubt, daß Gott dafür verantwortlich sei, kommt unter seinen eigenen Mesmerismus und bietet keinen Trost. Es erlebt keinen dauernden Frieden und fühlt sich nicht sicher geborgen. Christus Jesus bewies wahren Trost. Durch die Kraft seines heiligen Verständnisses vergingen die Irrtümer des körperlichen Sinnes vor der ununterbrochenen Harmonie der Seele in ihr Nichts. […]

Die Grundlage wahren Trostes und der Ausgangspunkt der Wissenschaft ist die Offenbarung, daß Gott das Gemüt ist, und daß die Materie eine bloße Trugvorstellung der Sinne, eine falsche Auffassung vom Gemüt und daher nichts ist. Weil das Gemüt allein das Ich oder die unendliche Individualität ist, die sich immerdar selber ausdrückt, hat niemand ein eigenes, persönliches Bewußtsein, das in der Finsternis der Unwissenheit oder des Kummers sitzt und blindlings nach einer Kenntnis Gottes tastet. Das göttliche Gemüt drückt sich immer in Licht aus und erklärt sich ewig selber. Es erklärt, daß das Leben Gott ist, daß es ohne Anfang und ohne Ende ist, und daß die Individualität im Gemüt inbegriffen, ewig sicher ist, ewig fortbesteht und ewig gegenwärtig ist.

Die Gegenwart Gottes fühlen heißt diese Gegenwart bekunden; denn das Gemüt oder die Seele ist die Intelligenz, die fühlt. Da die Materie keine Intelligenz hat, hat sie kein Gefühl. Die materiellen Sinne stellen ihren eigenen subjektiven Gedankenzustand fest. Sie sagen uns nichts über den wahren Zustand des Seins. Das einzige, was das Gemüt, Gott, fühlen kann, ist Seine eigene Harmonie. Das einzige, was das Gemüt wissen kann, ist sein eigenes Bestehen. Der reine Seelen-Sinn oder das Bewußtsein, das erklärt: ich lebe, ich bestehe, ich bin, ist Gemüt, das eine Ich, die unendliche Liebe, die ihre Wesenheit in unendlicher Kundwerdung zu erkennen gibt und ihre eigene Allgegenwart behauptet.

Was sind die zweckdienlichen Möglichkeiten der göttlichen Liebe? Es die Art der Liebe zu segnen; ihre zweckdienlichen Möglichkeiten bemessen sich nach der unendlichen Fähigkeit der Liebe, die Liebe zu sein. Menschlich ausgelegt schließen diese Möglichkeiten die Erlösung der ganzen Welt von Sünde, Krankheit und Tod in sich. Die Liebe kennt infolge ihrer ewigen Allheit tatsächlich nur Liebe — ihre Erhabenheit und Unendlichkeit, ihre Selbsterneuerung und fortwährende Entfaltung, ihre Sicherheit und Geborgenheit, ihre Vollkommenheit, Schönheit, Hoheit und Macht, die sich selber endlos, unwandelbar ausdrücken und kein Alter kennen. In der Unendlichkeit der Liebe gibt es keinerlei Leere. In der Ewigkeit des Seins gibt es keinen Fehler. Dort ist kein Raum für Reue, Kummer, Selbstbedauern oder Niedergeschlagenheit. Die Unendlichkeit der Liebe ist die Allumfassenheit der Liebe. Die Ununterdrückbarkeit des Lebens verbürgt seine Unsterblichkeit.

Die Christliche Wissenschaft, die von der Einheit und Allheit Gottes und Seiner Idee ausgeht und vom Standpunkt des geistigen Daseins unfehlbar folgert, gestaltet den menschlichen Sinn von Mitleid und Mitgefühl von Grund aus um, und beweist das heilende Erbarmen des Meisters. Mitleid im menschlichen Sinne schließt oft in sich, daß man etwas, was man bemitleidet, nicht als vollwertig betrachtet, und es weckt dadurch häufig Widerstand und Auflehnung. Es verschärft die Bitterkeit einer Anfechtung immer und verursacht oft Schmerz. Viele bedürfen der Hilfe, aber wenige wollen Mitleid. Die Bibel sagt jedoch (Ps. 103: 13): „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten.“ Mrs. Eddy schreibt zur Erklärung dieser Stelle in „Unity of Good“ (S. 4): „Sich zeitweilig des Gesetzes Gottes bewußt werden heißt in einem gewissen endlichen, menschlichen Sinne fühlen, daß Gott zu uns kommt und sich unser erbarmt; erlangen wir aber durch die Wissenschaft Gottes das Verständnis Seiner Gegenwart, so vernichtet es unsern Sinn der Unvollkommenheit oder Seiner Abwesenheit durch einen göttlicheren Sinn, daß Gott alles wahre Bewußtsein ist, und dies überzeugt uns, daß wir in dem Maße, wie wir Ihm immer näher kommen, unser eigenes Bewußtsein des Irrtums für immer verlieren müssen." So bringt unsere Führerin durch unfehlbare Erleuchtung die wissenschaftliche Voraussetzung, daß Gott unmöglich Leiden kennen kann, in Einklang mit dem menschlichen Gefühl, daß die göttliche Liebe zu uns kommt und eine Last beseitigt. […]

Auszüge aus dem Herold 1952